PRAXIS T

Stuttgart - Bad Cannstatt • 2024

Im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt–Seelberg entstand aus einer ehemaligen Bankfiliale ein Ensemble von Therapieräumen, die funktionale Präzision und räumliche Klarheit miteinander verbinden. Auf knapp 200 m² formte sich ein architektonisches Gefüge, das Offenheit zulässt und zugleich Rückzug ermöglicht. Klare Räume, transluzente Strukturen und präzise gesetzte Materialien schaffen eine Atmosphäre, die sowohl funktional wie sinnlich überzeugt – individuell zugeschnitten und identitätsstiftend für Therapeut:innen und Ort. Die Räume eröffnen Szenarien für manuelle Therapie, Osteopathie und klassische Krankengymnastik bis zum Training an Geräten – stets getragen von einer Architektur, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Wo einst eine Bankfiliale direkt von der Straße aus betreten wurde, führt der neue Weg heute zunächst durch ein breites Portal unter dem Gebäude. Nach dem Durchgang öffnet sich ein Innenhof, dessen Blickachse von den hohen Bäumen der gegenüberliegenden Schule geprägt wird – ein klassischer Hofraum mit unerwarteter Weite. Erst hier wendet man sich nach rechts zu einer Bestandsbetonwand, die künftig eine Pflanzenwand mit dezent hinterleuchtetem Praxis-Logo tragen wird. Am Ende dieser Wand liegt der Eingang, der den Besucher:innen den Weg ins Innere der Praxis eröffnet.

Durch ein erstes, offenes Portal tritt man in den Vorraum, ehe das charakteristische Glasbaustein-Portal den Übergang in den zentralen Bereich markiert. Dieses Element – eine Reminiszenz an die Architektur der 1950er-Jahre – filtert das Licht und prägt die Atmosphäre schon beim Eintreten. Dahinter weitet sich der großzügige Warte- und Empfangsbereich, der flexibel auch für zusätzliche Behandlungen oder für Vorträge genutzt werden kann. An der linken Seite des Grundrisses ist der Empfang verortet, der die Patient:innen aufnimmt und weiterleitet.

Die Architektur im Erdgeschoss ist von Offenheit und zugleich diskreter Geborgenheit geprägt. Vier Behandlungsräume gliedern sich um den zentralen Bereich, einer davon speziell auf die Bedürfnisse von Neuropatient:innen zugeschnitten. Klare Räume bilden dabei die neutrale Basis, die Ruhe ausstrahlt und die Lebendigkeit der Nutzung reflektiert. Transluzente Wandelemente – in ihrer Lichtbrechung fast kristallin, wie abstrahierte Eisblöcke – schaffen gefilterte Blickbeziehungen, geben Tiefe und erlauben zugleich Privatsphäre. Ergänzt wird das Programm durch einen offenen Trainingsbereich sowie ein barrierefreies WC, das subtil in die Raumfolge integriert ist und als kleine Wohlfühloase besonderen Wert genießt.

Die bestehende Treppe musste aufgrund des erhöhten Fußbodenaufbaus in der Höhe angepasst und neu verzogen werden; sie erhielt neue Stufen aus geölter Eiche. Das ursprüngliche Geländer aus den 1950er-Jahren mit seinen vertikalen Vierkantstäben blieb erhalten, wurde sorgfältig überarbeitet und in einem mattschwarzen Ton gefasst.

Im Untergeschoss heißt ein robuster Industrieboden willkommen und leitet weiter zum Patienten- und Gäste-WC. Helle Flächen und ein sanfter Hauch von Limettengrün verleihen dem Raum eine angenehme Leichtigkeit – eine kleine Oase der Ruhe, die sich wohltuend von der Funktionalität der übrigen Praxisräume unterscheidet.
Im Anschluss öffnen sich die Personalräume: Umkleiden, Hauswirtschaft und ein Aufenthaltsraum mit Küche. Sie bilden den funktionalen Abschluss des Geschosses und schaffen zugleich einen Bereich, der den Praxisalltag harmonisch unterstützt.

PRAXIS T versteht sich als architektonische Antwort auf die Anforderungen zeitgemäßer Therapie. Entstanden ist ein Ort, der Klarheit, Ruhe und Offenheit ausstrahlt – und der die Haltung des Betreibers spiegelt: dass Heilung nicht nur Technik ist, sondern ein Prozess von Vertrauen, Begleitung und Achtsamkeit.


Studio für Architektur & Gestaltung in Stuttgart