BEST WORKSPACES 2022

STUTTGART • 2022

AUSZEICHNUNG BEST WORKSPACES 2022

Jurymitglied Stefan Riet über die WERBEWELT:

„Die neuen Räumlichkeiten der Agentur Werbewelt bestechen auf den ersten und auch auf den zweiten Blick, wozu, zahlreiche Aspekte beitragen.
Zuerst fällt auf, dass sich der Bauherr für eine Bürofläche im Erdgeschoss entschieden hat, somit für eine Fläche, die in der Regel bei Büronutzern unbeliebt ist.
Man könnte sich von den Vorbeigehenden beobachtet fühlen, die Menschen blicken einem vielleicht sogar über die Schulter oder sehen gar, wenn man vielleicht nicht mit der Arbeit beschäftigt ist.
Bewusst wählen Bauherr und Architekten also eine auf den ersten Blick weniger geeignete Fläche, die eigentlich einem Ladengeschäft vorbehalten wäre, und entwickeln daraus eine
ganz besondere Arbeitsumgebung. Mit einfachen Mitteln, wie verschieblichen Vorhängen unterschiedlicher Blickdichte, wenigen Folierungen und textilen Akzenten wird eine Geborgenheit mitten in der Bühne der Stadt geschaffen.
Vom vermeintlich Beobachteten wird man zum Beobachter und kann sich bei der Arbeit von Passanten inspirieren lassen. Das Konzept sieht zudem bewusst vor, Teile der Arbeitsflächen in Flächen für Gäste, Ausstellungen oder Events zu verwandeln, und die Arbeit verschmilzt mit dem urbanen Umfeld und seinen Akteuren.
Es entsteht eine echte Alternative zum Homeoffice. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können die Flächenangebote, die sich wie man auf den zweiten Blick feststellt, über drei unabhängige Ladengeschäfte verteilen, flexibel nutzen- ebenso wie die Möglichkeit geboten wird, mobil oder von zu Hause zuarbeiten.
Mitten in der Stadt entsteht so ein Büro, das mit den drei Ladengeschäften auch unterschiedliche Grade von Rückzug, Austausch und Offenheit anbietet, eine zugleich reduzierte und vielfältige Arbeitsumgebung, welche individuellen Vorlieben Rechnung trägt und dennoch zur Arbeit in die Stadt und in das Büro lockt - auch in Zeiten eines populären Homeoffice. Zugleich dient das Modell vielleicht auch als Blaupause für die zukünftige Nutzung leerstehender Ladengeschäfte und somit der Rückkehr von Leben in die Erdgeschosszonen. Ausgeweitet in die Abendstunden mit Vernissagen und Events.
Ich hätte Lust, dort zu arbeiten.“

Studio für Architektur und Gestaltung